← ALLE FRAKTIONEN

// VOLK VON KRYTHARA

Khar-Voss

„„Niemand wird gerettet. Man kann sich nur unentbehrlich machen.““

Ein mächtiges Industrievolk aus menschlichen Kolonisten, dessen Gesellschaft vollständig auf Arbeit, Leistung und Rohstoffgewinnung aufgebaut ist. Seine Bürger verdienen sich durch ihre Tätigkeit Zugang zu Wohlstand, medizinischer Versorgung und politischem Einfluss. Khar-Voss setzt auf gewaltige Fabrikschiffe, schwere Panzerung und kompromisslose Fördertechnik.

Geschichte lesen ↓

// DIE VOLLSTÄNDIGE CHRONIK

GESCHICHTE DES VOLKES

Geschichte: Khar-Voss Bereit
Kapitelübersicht0 von 13 vertont
0 %
Stimme und Tempo

Khar-Voss – Die Kinder des kalten Eisens

Prolog: Das Geräusch unter der Welt

Auf Khar Voss gab es keinen natürlichen Morgen.

Die Sonne des Systems war zu schwach, um den Planeten ausreichend zu erwärmen. Über der Oberfläche lagen Gletscher, deren älteste Schichten aus einer Zeit stammten, in der noch kein Mensch den Namen dieses Sterns gekannt hatte. Unter dem Eis befanden sich schwarze Gebirge, erstarrte Meere und ein Netzwerk aus Minenschächten, das sich tiefer in den Planeten fraß als jede Stadt emporragte.

Die Menschen von Khar Voss lebten nicht auf ihrer Welt.

Sie lebten in ihr.

Jede Siedlung war an einen Wärmekern angeschlossen. Jeder Wärmekern wurde von Reaktoren gespeist. Jeder Reaktor benötigte Brennstoff. Fiel eine Förderanlage aus, wurde nicht nur weniger produziert. Dann starben Wohnsektoren.

Zuerst erlosch das Licht.

Danach gefroren die Wasserleitungen.

Dann wurde die Luft dünn.

Am Ende hörten die Menschen auf, gegen die Kälte zu klopfen.

Deshalb lernten die Kinder von Khar Voss schon früh, dass Arbeit kein Beruf war. Arbeit war Wärme. Arbeit war Nahrung. Arbeit war das Recht, am nächsten Morgen noch atmen zu dürfen.

In den ältesten Schächten erzählte man sich von einem Geräusch tief unter der Welt. Ein langsames, metallisches Dröhnen, das manchmal durch die Wände wanderte. Die Bergleute nannten es den Herzschlag von Khar Voss.

Später behaupteten Wissenschaftler, es seien lediglich tektonische Bewegungen gewesen.

Die Bergleute glaubten ihnen nie.

I. Die verlorene Kolonie

Khar Voss war ursprünglich keine Nation. Der Planet war eine Industriekolonie der weit entfernten Solaren Versorgungsgemeinschaft.

Die ersten Siedler waren keine Eroberer. Sie waren Ingenieure, Vertragsarbeiter, Geologen, Strafgefangene und Familien, denen man ein besseres Leben versprochen hatte. Riesige Vorkommen an Eisen, Kobalt, Iridium und seltenen Reaktormetallen sollten den Planeten zu einem Zentrum der äußeren Systeme machen.

In den Werbeaufnahmen sah Khar Voss beinahe schön aus.

Man zeigte beleuchtete Kuppelstädte unter glitzerndem Eis. Kinder schwebten lachend in niedriger Schwerkraft. Moderne Förderanlagen arbeiteten scheinbar automatisch. Nach zehn Jahren Dienst, so versprach man, sollten alle Arbeiter Land, Geld und ein eigenes Transportschiff erhalten.

Nichts davon war wahr.

Die Kuppelstädte existierten nur als Modelle. Die automatischen Förderanlagen waren für die extremen Temperaturen ungeeignet. Ersatzteile trafen oft Monate zu spät ein. Die versprochenen Wohnbereiche bestanden aus engen Metallkammern, die ursprünglich als Frachtmodule gedient hatten.

Trotzdem wuchs die Kolonie.

Nicht weil das Leben dort gut war, sondern weil ihre Erze zu wertvoll waren, um aufgegeben zu werden.

Über Generationen entstanden tief unter der Oberfläche gewaltige Industriekomplexe. Familien übernahmen bestimmte Aufgaben: Manche warteten Reaktoren, andere bauten Tunnel, transportierten Erz, steuerten Frachter oder bewachten Lagerhäuser. Aus Berufen wurden Traditionen. Aus Traditionen wurden Dynastien.

Dann begann der Krieg der Inneren Systeme.

Niemand auf Khar Voss wusste genau, wer ihn begonnen hatte. Die Nachrichtenverbindungen brachen zusammen. Versorgungsschiffe erschienen immer seltener. Die Kolonialverwaltung erklärte, die Verzögerungen seien vorübergehend.

Sieben Monate später kam das letzte Schiff.

Es brachte weder Nahrung noch Ersatzteile. Sein Frachtraum war leer. Die Mannschaft besaß lediglich einen neuen Produktionsbefehl: Khar Voss sollte seine Förderung verdreifachen und sämtliche verfügbaren Metalle an die Versorgungsgemeinschaft liefern.

Die Kolonisten gehorchten.

Sie hofften, dass Hilfe kommen würde, wenn sie nur genügend leisteten.

Hilfe kam nicht.

II. Die 41 kalten Tage

Als Reaktor Sieben ausfiel, lebten 218.000 Menschen in den angeschlossenen Sektoren.

Die Verwaltung hätte die Ersatzteile aus den Reaktoren der Erzraffinerien ausbauen können. Dadurch wäre die Produktion zum Erliegen gekommen, doch die Wohnsektoren hätten überlebt.

Gouverneur Halvek Renn entschied sich dagegen.

Er erklärte, die Lieferquoten seien von strategischer Bedeutung. Ohne die Erze von Khar Voss könnten ganze Flotten des Mutterreiches verloren gehen. Jeder Bürger müsse Opfer bringen.

Die Tore zwischen den Wohnbezirken wurden geschlossen.

Die Heizung wurde abgeschaltet.

Einundvierzig Tage lang hörten die Arbeiter in den benachbarten Schächten die Notrufe der Eingeschlossenen. Familien versuchten, die Stahltore mit Werkzeugen aufzubrechen. Wachmannschaften feuerten auf jeden, der sich den Versorgungstunneln näherte.

Am zweiundvierzigsten Tag herrschte Stille.

Reaktor Sieben wurde später mit Ersatzteilen aus einem Erzschmelzer repariert. Nicht, um die Bewohner zu retten, sondern um die gefrorenen Produktionsanlagen wieder in Betrieb zu nehmen.

Dieses Ereignis beendete die Herrschaft der Kolonialverwaltung.

Eine Vorarbeiterin namens Mara Vey Kordran betrat mit 300 Bergleuten den zentralen Kontrollraum. Sie trugen keine militärischen Waffen. Sie trugen Plasmaschneider, Sprengladungen und hydraulische Hämmer.

Die Wachen schossen zuerst.

Die Bergleute gingen weiter.

Nach sechs Stunden war der Regierungskomplex gefallen. Gouverneur Renn wurde lebend gefangen genommen. Viele verlangten seine Hinrichtung, doch Mara verweigerte sie.

Sie führte ihn zu den Toren von Sektor Sieben und befahl ihm, die Namen aller Verstorbenen vorzulesen.

Es dauerte drei Tage.

Anschließend musste Renn in den beschädigten Reaktorschächten arbeiten. Er starb sechs Jahre später bei einer Druckentlastung. Auf seinem Grab stand weder sein Name noch sein früherer Titel.

Dort stand nur:

Er lernte zu spät, was Wärme kostet.

III. Der erste Stahlrat

Nach dem Aufstand besaß Khar Voss keine Regierung, keine Versorgung von außen und nur noch Vorräte für wenige Monate.

Mara Kordran gründete den ersten Stahlrat. Jeder lebenswichtige Arbeitsbereich entsandte einen Vertreter: Energie, Nahrung, Förderung, Transport, Medizin, Konstruktion und Verteidigung.

Die ersten Gesetze waren keine politischen Ideale. Es waren Überlebensregeln.

Kein Reaktor durfte einem Produktionsziel geopfert werden.

Kein Lager durfte seinen tatsächlichen Bestand verbergen.

Kein Bewohner durfte mehr verbrauchen, als die Kolonie herstellen konnte.

Wer eine lebenswichtige Aufgabe erfüllte, erhielt zuerst Nahrung, Wärme und medizinische Versorgung.

Aus diesen Notfallregeln entstand später das Prägesystem.

Jede geleistete Schicht wurde in Metallmarken gestanzt. Diese Marken waren zunächst keine Währung. Sie dokumentierten, wer gearbeitet, repariert, gefördert oder gerettet hatte. Da sämtliche alten Datenbanken beschädigt waren, galten die Marken als einziger zuverlässiger Beweis.

Bald konnte man mit ihnen zusätzliche Nahrung, größere Wohnräume oder Werkzeuge erhalten. Später wurden sie vererbt, gehandelt und gesammelt.

Aus Arbeitsnachweisen wurde Vermögen.

Aus Vermögen wurde Einfluss.

Aus Einfluss entstanden die großen Häuser von Khar Voss.

Mara beobachtete diese Entwicklung mit Sorge. Sie hatte den Stahlrat gegründet, um das Überleben zu organisieren, nicht um eine neue Oberschicht zu erschaffen. Doch ohne die Häuser konnten die Minen nicht betrieben werden. Sie besaßen das Fachwissen, die Werkstätten und die Menschen.

Khar Voss überlebte, aber es veränderte sich.

Der Planet hatte gelernt, dass jede Hilfe ausbleiben konnte.

Von diesem Moment an beschloss seine Bevölkerung, niemals wieder von einem anderen Reich abhängig zu sein.

IV. Das Schiff ohne Namen

Achtzehn Jahre nach dem letzten Versorgungsschiff entdeckten die Sensoren ein beschädigtes Kriegsschiff am Rand des Systems.

Es reagierte nicht auf Funksprüche. Sein Antrieb war ausgefallen, die Außenhülle aufgerissen und der größte Teil der Besatzung tot. Dennoch enthielt es etwas, das für Khar Voss wertvoller war als sämtliche Waffen an Bord:

einen funktionsfähigen Sprungantrieb.

Der Stahlrat ordnete an, das Schiff zu bergen.

Tausende Arbeiter zerlegten es im Orbit. Jedes Bauteil wurde katalogisiert. Jede Leitung, jede Schraube und jede verbrannte Steuerplatine wurde untersucht. Die Ingenieure verstanden den Antrieb zunächst nicht. Mehrere Nachbauten explodierten. Einer riss einen ganzen Orbitalring auseinander und tötete 604 Menschen.

Der Stahlrat wollte das Projekt abbrechen.

Mara widersprach.

„Wenn wir hierbleiben“, sagte sie, „überleben wir vielleicht noch hundert Jahre. Wenn wir lernen, dieses Schiff zu bauen, überlebt Khar Voss jeden kommenden Krieg.“

Weitere neun Jahre vergingen.

Dann verließ das erste selbstgebaute Sprungschiff den Orbit. Es war langsam, hässlich und kaum bewaffnet. Seine Hülle bestand aus Teilen von Förderplattformen, Frachtern und dem geborgenen Kriegsschiff.

Auf der Außenwand standen die Namen der Toten aus Sektor Sieben.

Das Schiff besaß keinen anderen Namen.

Seine Reise dauerte zwölf Tage.

Als es zurückkehrte, brachte es die Nachricht, dass die Solare Versorgungsgemeinschaft nicht mehr existierte. Die inneren Systeme waren in zahlreiche Kleinstaaten zerfallen. Handelswege lagen verlassen. Kolonien hungerten. Piraten beherrschten ganze Sternenregionen.

Khar Voss war nicht mehr die vergessene Außenwelt eines großen Reiches.

Khar Voss war plötzlich eine der wenigen verbliebenen Welten mit funktionierender Schwerindustrie.

V. Der Preis der Rettung

Die ersten fremden Schiffe kamen als Flüchtlinge.

Sie baten um Nahrung, Brennstoff und Reparaturen. Viele Bewohner von Khar Voss wollten ihnen helfen. Sie erinnerten sich daran, wie es gewesen war, vergeblich auf Versorgung zu warten.

Doch der Stahlrat wusste, dass die Vorräte begrenzt waren.

Also bot man den Flüchtlingen einen Vertrag an.

Jeder Erwachsene sollte fünf Jahre arbeiten. Dafür erhielten die Familien Schutz, Wärme, Nahrung und ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.

Die meisten unterschrieben.

Was als Rettungsmaßnahme begann, wurde zum Fundament des späteren Direktorats. Immer mehr Menschen kamen nach Khar Voss. Neue Schächte wurden gegraben, neue Reaktoren errichtet und neue Schiffe gebaut.

Doch die Verträge wurden mit jedem Jahr härter.

Aus fünf Jahren wurden zehn. Aus Arbeitsverpflichtungen wurden vererbbare Schulden. Wer Ausrüstung beschädigte, musste die Kosten abarbeiten. Wer krank wurde und seine Quote nicht erfüllte, verlor Prägestufen. Wer ein Kind bekam, musste zusätzliche Versorgungspunkte erwerben.

Mara Kordran protestierte gegen diese Entwicklung.

Die mächtigsten Häuser warfen ihr vor, die Stabilität zu gefährden. Sie erinnerten daran, dass Khar Voss nur dank strenger Regeln überlebt hatte. Mitgefühl könne keine Reaktoren betreiben.

Mara antwortete:

„Ein System, das Menschen verbrennt, um Maschinen am Laufen zu halten, ist nur ein anderer Reaktor Sieben.“

Drei Tage später verschwand sie.

Offiziell war ihr Shuttle bei einem Unfall zerstört worden. Ihre Leiche wurde nie gefunden.

Nach ihrem Tod wandelte der Stahlrat sich in das Direktorat für Förderung, Schutz und Fortbestand um. Im alltäglichen Sprachgebrauch hieß es bald nur noch das Khar-Voss-Direktorat.

Mara wurde trotzdem zur Nationalheldin erklärt.

Ihre Warnungen entfernte man aus den Archiven.

Ihr Bild blieb.

VI. Die Eisenexpeditionen

Das Direktorat begann, die umliegenden Systeme zu erschließen. Zunächst wurden verlassene Minen und zerstörte Kolonien geborgen. Danach beanspruchte Khar Voss unbewohnte Asteroidenfelder.

Schließlich erreichten seine Expeditionen bewohnte Welten.

Das Direktorat bot jeder Kolonie denselben Handel an:

Schutz vor Piraten.

Reparatur ihrer Anlagen.

Zugang zu Nahrung, Medizin und Sprungantrieben.

Im Gegenzug sollte die Kolonie dem Prägesystem beitreten und einen Anteil ihrer Produktion abgeben.

Einige nahmen freiwillig an.

Andere lehnten ab.

Bei ihnen stellte das Direktorat zunächst den Handel ein. Danach kaufte es konkurrierende Stationen auf. Es kontrollierte Ersatzteile, Treibstoff und Transportrouten. Wenn eine Kolonie wirtschaftlich zusammenbrach, erschien eine Flotte von Khar Voss und bot erneut Hilfe an.

Das Direktorat nannte dieses Vorgehen nicht Eroberung.

Es nannte es Eingliederung.

Seine Soldaten betrachteten sich nicht als Unterdrücker. Sie glaubten, chaotische und ineffiziente Welten vor ihrem unvermeidlichen Untergang zu retten. Tatsächlich beendeten sie Piraterie, reparierten Stationen und errichteten Krankenhäuser.

Doch jede gerettete Welt erhielt eine Produktionsquote.

Jeder neue Bürger erhielt eine Schuld.

Und jede Schuld band ihn an Khar Voss.

VII. Der Krieg der offenen Hände

Der größte Widerstand entstand im Damaris-System.

Damaris war reich an Nahrung, aber arm an Metallen. Seine Bewohner organisierten ihre Gesellschaft über freiwillige Gemeinschaften. Nahrung, Wohnungen und medizinische Versorgung galten als Grundrechte.

Für das Direktorat war dieses System unverständlich.

Khar-Voss-Diplomaten erklärten, eine Gesellschaft ohne messbare Leistung könne langfristig nicht bestehen. Damaris antwortete, eine Gesellschaft, in der Menschen ihr Lebensrecht verdienen mussten, habe den Sinn des Überlebens vergessen.

Der Konflikt begann nicht mit einem Schuss.

Er begann mit einem Frachter.

Das Direktorat verlangte Getreidelieferungen als Gegenleistung für Reaktorteile. Damaris lieferte weniger als vereinbart, weil eine schlechte Ernte mehrere Regionen getroffen hatte. Khar Voss verhängte Sanktionen. Damaris stellte daraufhin seine Nahrungsmitteltransporte vollständig ein.

Binnen Monaten hungerten mehrere Direktoratskolonien.

Die Flotte griff an.

Der Krieg dauerte elf Jahre. Damaris besaß kleinere Schiffe, aber hochmobile Verbände. Seine Piloten zerstörten Versorgungslinien und verschwanden zwischen den Monden. Das Direktorat reagierte mit immer größeren Schlachtschiffen und mobilen Fabriken.

Am Ende gewann Khar Voss.

Doch der Sieg kostete mehr Ressourcen, als das gesamte Damaris-System in Jahrzehnten erzeugen konnte.

Auf den besetzten Welten entstand eine Widerstandsbewegung. Ihre Mitglieder zeigten einander ihre offenen, leeren Hände als Zeichen dafür, dass kein Mensch Eigentum, Prägemarken oder einen Rang benötigte, um einen Wert zu besitzen.

Das Direktorat nannte sie die Offenen Hände.

Ihre Symbole wurden verboten.

Ihre Anführer wurden öffentlich zu Arbeitsschulden verurteilt.

Doch die Bewegung verschwand nicht. Sie breitete sich in den Fabriken, auf Frachtern und sogar innerhalb der Flotte aus.

Zum ersten Mal kämpfte das Direktorat nicht gegen eine fremde Armee.

Es kämpfte gegen eine Idee.

VIII. Das Herz aus Metall

Während des Krieges entdeckten Tiefenbohrer auf Khar Voss eine unbekannte Struktur unterhalb der ältesten Gesteinsschichten.

Sie bestand aus einem Material, das weder vollständig metallisch noch mineralisch war. Es leitete Energie ohne messbaren Verlust und reagierte auf starke elektromagnetische Felder. Rund um die Struktur erklang dasselbe tiefe Dröhnen, das die Bergleute seit Jahrhunderten den Herzschlag der Welt nannten.

Das Direktorat sperrte das Gebiet ab.

Offiziell hatte es lediglich ein instabiles Erzvorkommen gegeben. In Wahrheit begannen Tausende Wissenschaftler und Ingenieure, die Struktur zu untersuchen.

Sie nannten sie den Kernschmied.

Der Kernschmied war keine Maschine im herkömmlichen Sinn. Er veränderte Materie. Eingespeiste Metalle kehrten als neue Legierungen zurück. Manche waren leichter als Aluminium und widerstandsfähiger als Schlachtschiffpanzerung. Andere speicherten unglaubliche Energiemengen.

Doch der Kernschmied verlangte bestimmte Ausgangsstoffe.

Einer davon existierte nur in winzigen Mengen auf Khar Voss.

Die Analyse zeigte, dass im Krythara-Sektor gewaltige Vorkommen desselben Materials liegen mussten.

Damit veränderte sich die Geschichte des Direktorats.

Krythara war nicht länger nur ein entferntes Gebiet mit reichen Erzfeldern. Der Sektor besaß den Schlüssel zu einer Technologie, die Khar Voss endgültig unabhängig machen konnte.

Oder unbesiegbar.

IX. Die beiden Erben

Zu dieser Zeit wurde das Direktorat von Generaldirektor Varkan Drahl geführt. Drahl war ein überzeugter Anhänger des Prägesystems. Für ihn hatte Khar Voss überlebt, weil es Schwäche aus seinen Entscheidungen entfernt hatte.

Seine Tochter Elara Drahl kommandierte die Neunte Förderflotte. Sie hatte auf Damaris gekämpft und dort gesehen, welchen Preis die besetzten Welten zahlten.

Sein Adoptivsohn Torven Kordran leitete die Ausgrabungen am Kernschmied. Torven war ein Nachfahre von Mara Kordrans Bruder und wurde von vielen Arbeitern als rechtmäßiger Erbe ihrer Ideale betrachtet.

Elara wollte das Prägesystem reformieren.

Torven wollte es abschaffen.

Varkan wollte es über das gesamte bekannte Gebiet ausbreiten.

Trotz ihrer Gegensätze verband die drei ein gemeinsames Ziel: Khar Voss durfte niemals wieder hilflos werden.

Sie unterschieden sich nur darin, was sie unter Khar Voss verstanden.

Für Varkan war es der Staat.

Für Elara waren es seine Bürger.

Für Torven war es die Erinnerung an jene, die einst in den Minen gemeinsam überlebt hatten.

Als die erste große Expedition nach Krythara vorbereitet wurde, erhielt Elara den Oberbefehl. Varkan befahl ihr, sämtliche relevanten Vorkommen zu sichern – unabhängig davon, wer sie bereits beanspruchte.

Torven gab ihr heimlich eine zweite Botschaft mit.

In den tiefsten Messdaten des Kernschmieds hatte er etwas entdeckt.

Die Struktur unter Khar Voss war nicht vollständig.

Sie war nur ein einzelner Bestandteil eines viel größeren Systems.

Und dieses System befand sich möglicherweise unter den Welten von Krythara.

X. Der Marsch nach Krythara

Die Flotte, die Khar Voss verließ, war größer als jede Expedition zuvor.

An ihrer Spitze flog die Unbeugsame, Elaras schwerer Kommandoträger. Hinter ihr bewegten sich Erzbrecher, Raffinerieschiffe, Truppentransporter, Tanker und mobile Werften. Ganze Familien reisten mit der Flotte. Für viele sollte Krythara keine Mission, sondern eine neue Heimat werden.

Auf jedem Schiff waren die Worte des Direktorats eingraviert:

Arbeit schafft Wärme.

Wärme erhält Leben.

Leben schuldet Arbeit.

Als die Flotte den Krythara-Sektor erreichte, fand sie jedoch keine leere Grenzregion.

Sie fand unabhängige Bergleute, Händler, Piraten, uralte Ruinen und Zivilisationen, deren Verständnis von Rohstoffen vollkommen anders war.

Der Thalassyn-Chor erklärte einige der reichsten Planeten zu lebenden Heiligtümern.

Das Meridian-Archiv behauptete, bestimmte Vorkommen dürften erst in einer Zukunft abgebaut werden, die noch nicht eingetreten sei.

Freie Bergbaugilden weigerten sich, dem Prägesystem beizutreten.

Und tief unter den Planeten antworteten unbekannte Strukturen auf die Aktivierung des Kernschmieds.

Elara Drahl erhielt aus der Heimat einen letzten, verschlüsselten Befehl:

Beginnen Sie die vollständige Eingliederung des Krythara-Sektors. Widerstand ist als Produktionsgefährdung einzustufen.

Wenige Stunden später erreichte sie eine zweite Übertragung.

Sie stammte von Torven.

Sein Gesicht war blutverschmiert. Im Hintergrund heulten Alarmsirenen.

„Elara, dein Vater hat den Kernschmied aktiviert. Er glaubt, er könne damit jedes Metall im Direktorat verändern. Aber es ist keine Schmiede. Es ist ein Signalgeber.“

Ein gewaltiger Schlag erschütterte die Aufnahme.

Torven blickte zur Seite. Als er wieder in die Kamera sah, lag echte Angst in seinen Augen.

„Etwas hat geantwortet.“

Dann brach die Verbindung ab.

Am Rand des Khar-Voss-Systems erschien ein Objekt, größer als jeder bekannte Mond. Es hatte keinen Sprungantrieb benutzt. Es war einfach dort gewesen, sobald der Kernschmied erwachte.

Seine Oberfläche bestand aus demselben Material wie die Struktur unter dem Planeten.

Das Direktorat erklärte sofortige Nachrichtensperre.

Die Flotte in Krythara erhielt den Befehl, ihre Mission fortzusetzen.

Doch Elara stand nun vor einer Entscheidung, die das gesamte Direktorat verändern konnte.

Sie konnte Krythara erobern und ihrem Vater die Materialien liefern, die er verlangte.

Sie konnte die Expedition in eine unabhängige Kolonie verwandeln.

Oder sie konnte sich mit den Völkern verbünden, die Khar Voss bereits zu Feinden erklärt hatte.

Zum ersten Mal seit Generationen ging es für die Menschen des Direktorats nicht darum, ob sie überleben würden.

Es ging darum, was nach ihrem Überleben noch von ihnen übrig sein sollte.

XI. Die Wahrheit über Mara

Während Elara ihre Entscheidung hinauszögerte, durchsuchte ihre Geheimdienstchefin Sera Nahl die Datenarchive der Expedition. Sie entdeckte eine Datei, die über mehr als 160 Jahre hinweg von jedem Führungswechsel des Direktorats übertragen worden war.

Die Datei enthielt keine militärischen Pläne.

Sie enthielt eine Sprachaufzeichnung von Mara Kordran.

Mara hatte ihren angeblichen Shuttleunfall überlebt. Mitglieder des frühen Stahlrats hatten ihr geholfen, Khar Voss zu verlassen. Jahrzehntelang war sie durch die zerfallenen Systeme gereist und hatte ehemalige Arbeiterkolonien miteinander verbunden.

Aus diesen Kolonien war später die Bewegung der Offenen Hände entstanden.

Mara war nicht nur das verehrte Symbol des Direktorats.

Sie war zugleich die geistige Gründerin seines größten Feindes.

In ihrer letzten Nachricht sprach sie von einer Gefahr, die größer sei als jede Armee:

„Khar Voss wird eines Tages stark genug sein, dass niemand es mehr zwingen kann. Genau an diesem Tag muss es entscheiden, ob Stärke sein Schild bleibt oder zu seiner Entschuldigung wird.“

Die Nachricht endete mit Koordinaten im Krythara-Sektor.

Dort befand sich ein aufgegebener Asteroid.

In seinem Inneren entdeckte Elaras Mannschaft eine Halle voller Metallplatten. Auf ihnen standen Millionen Namen: Menschen, die durch die Expansion des Direktorats ihre Freiheit, ihre Heimat oder ihr Leben verloren hatten.

Die letzten Platten waren noch leer.

Neben ihnen lag ein alter Gravierhammer.

Auf seinem Griff befand sich das Zeichen von Mara Kordran.

Eine offene Hand.

XII. Der kommende Bruch

Heute ist das Khar-Voss-Direktorat mächtiger als je zuvor – und näher am Zerfall als irgendjemand ahnt.

Generaldirektor Varkan Drahl bereitet auf Khar Voss die vollständige Aktivierung des Kernschmieds vor. Er glaubt, damit eine neue Generation unzerstörbarer Schiffe erschaffen zu können.

Torven Kordran ist verschwunden. Einige behaupten, er sei tot. Andere berichten von einem maskierten Mann, der Arbeiteraufstände auf mehreren Direktoratswelten organisiert.

Die Offenen Hände schmuggeln Waffen und Lebensmittel in überschuldete Kolonien.

Innerhalb der Flotte sammeln sich Offiziere, die Elara folgen würden, sollte sie sich gegen ihren Vater stellen.

Gleichzeitig erwachen unter den Planeten von Krythara weitere uralte Strukturen. Jedes abgebaute Fragment bringt das Direktorat seinem Ziel näher – und sendet ein stärkeres Signal in die Dunkelheit.

Damit beginnt die Geschichte der Spieler.

Sie können für das Direktorat Rohstoffe fördern und ihre Prägestufe erhöhen.

Sie können Elara bei ihren Reformen unterstützen.

Sie können Torven und die Offenen Hände suchen.

Sie können Varkan helfen, den Kernschmied zu vollenden.

Oder sie können entdecken, wer die Strukturen erschaffen hat und warum deren Erbauer jetzt nach Krythara zurückkehren.

Doch egal, welche Seite sie wählen, eine Frage begleitet jede Mission des Direktorats:

Wenn alles einen Preis besitzt – wie viel darf das eigene Überleben kosten?